Raveline TV Clubtour – Paul van Dyk, Ottaviani – REVIEW

Seit langer Zeit haben Gimbal und Ich (Sinan) uns mal wieder auf den Weg gemacht um, wie man heute so schön sagt, „feiern zu gehen“. Anlass war die Ravline TV Clubtour im Bootshaus Köln, welche die Artists „Wippenberg“, „Paul van Dyk“ und „Giuseppe Ottaviani“ als LineUp präsentierten.

Wippenberg ernüchternd

Nachdem ein mir nicht bekannter DJ (Cold Blue)  das WarmUp erfolgreich absolvierte, war Wippenberg an der Reihe mit seiner Musik die Menge auf Paul van Dyk und Ottaviani vorzubereiten. Mit gemütlichen 128 – 130 BPM ließ es Wippenberg ruhig angehen und sein Sound war zu Beginn angenehm „housig“. Mit dem Fortschritt seines Sets wurden die Breaks länger, die tanzbaren Beats weniger und ewig lange, ins Nichts zischende Steigerungen,  zum Hauptelement. Das sind dann die Momente, in denen Gimbal & Ich uns fragend anschauen und einen Blick auf unsere nicht vorhandene Armbanduhr werfen, um zu verdeutlichen, dass man gerade eigentlich nichts macht, außer auf tanzbare Elemente zu warten. Gegipfelt wurde diese Perversion von „Tanzmusik“ darin, dass ein durchgängiger Beat in der Regel lediglich 15 – 30 Sekunden am Stück lief bis die nächste Unterbrechung und Steigerung begann. Paradoxerweise hatte man das Gefühl, dass ein Großteil des Publikums während der Beat-Passagen gar nicht so richtig wusste, was es tun soll. Tanzen schien zumindest für die meisten eine eher abwegige Idee zu sein. Somit müsste man Wippenberg an dieser Stelle sogar Recht geben, falls er argumentieren würde „…seht her, die Leute schreien und jubeln doch während der Breaks und der ewig langen Steigerungen“. Meiner Meinung nach bildeten hier ein nicht-tanzfähiges  Publikum und austauschbare DJs eine perfekte Symbiose. Mit elektronischer Tanzmusik hatte dies allerdings nicht mehr viel zu tun.

Paul van Dyk – Das Konzert

Um 2:00 Uhr durfte es dann endlich losgehen. Eine zuvor hinter einem großen Tuch verborgene Bühne wurde mit Paul van Dyk und einem imposanten Aufgebot an Sound- und Lichtequipment eindrucksvoll präsentiert. Entgegen kleiner Befürchtungen meinerseits, fackelte Paul van Dyk nicht lange und gab sofort mit ca. 140 BPM und treibendem Trance Vollgas. Trotz gut gefülltem Club, versuchten Gimbal & Ich uns einen kleinen Bereich frei zu tanzen. Leider mussten wir schnell feststellen, dass Tanzen auch jetzt keine verlockende Beschäftigung für einen Großteil der Besucher darstellte. Wie kleine Magnete richtete sich ein Großteil der Besucher binnen kürzester Zeit in Richtung der Bühne und erstarrte (wahrscheinlich) beim Anblick des Altmeisters.  Zu allem Überfluss schien jeder 3. Besucher ein kleiner Hobbyjournalist zu sein, anders kann ich mir die massenhaften Audio/Video-Aufzeichnungen, dank modernster Handytechnologie, nicht erklären. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass es für die Stimmung einfach unglaublich förderlich war, wenn gefühlte 50% des Publikums wie angewurzelt mitten auf der Tanzfläche stehen und gebannt ein Smartphone vor ihre Visagen halten. Wie dringend benötigt man ja auch die 5000 verwackelten, völlig übersteuerten Handyaufnahmen auf Youtube?! Dieser Wahn, jeden Moment in Film- und Fotoaufnahmen konservieren zu wollen, ist krankhaft. Hinzukommt, dass ich mich ernsthaft gefragt habe, WAS die Leute da genau filmen. Paul van Dyk stand vor 2 Laptops und einem Mischpult und war damit beschäftigt dem Publikum ein tanzbares und musikalisch ansprechendes Set zu präsentieren. Anstatt diesen einzigartigen Moment mit all seinen Sinnen zu erleben, mutierte man zum Extreme-Low-Budget-Kameramann und verpasste genau das, was man jämmerlich versuchte festzuhalten.

Gimbal & Ich haben uns daraufhin entschieden relativ weit hinten im Club zu tanzen, fernab der Paparazzi und Anti-Tänzer! ;) Auf die Frage eines anderen Clubbesuchers „warum steht ihr denn so weit hinten, hier sieht man den Paul ja gar nicht“, antwortete ich nur: „Danke, wir wissen wie Paul aussieht“. Nach 2 Stunden war Paul dann mit seinem Set fertig und die Menschen forderten, wie bei einem Konzert so üblich, eine Zugabe! Diese nutzten dann nochmal Alle für die wahrscheinlich besten Handyvideoaufnahmen des Abends um kurz darauf auch den Club zu verlassen.

Giuseppe Ottaviani die Überraschung

Um 4 Uhr startete dann Ottaviani sein Set, bewaffnet mit 2 Laptops und einem Virus TI Synthesizer. Zunächst fand ich es schade, dass über die Hälfte den Club sofort nach Paul van Dyk verlassen hatten und Ottaviani nicht mal die Chance gaben sie zu überzeugen. Doch schnell stellte sich heraus, dass nun der harte Kern übrig blieb und das ganze mauserte sich doch tatsächlich noch zu etwas, was man eine Tanzveranstaltung nennen könnte. Ottaviani spielte ein sehr solides Set mit der richtigen Mischung aus schönen Melodien und absolut treibenden Beats. Hätte der Hauptact (in dem Fall Paul van Dyk) nicht erst um 2:00 Uhr begonnen und Ottaviani somit folglich auch nicht erst um 4:00 Uhr, hätten Gimbal & Ich wahrscheinlich auch noch sein gesamtes Set feiern können. So mussten wir leider aufgrund von allmählich  einsetzender Müdigkeit gegen 5:15 Uhr die Heimfahrt bestreiten.

Fazit:

Wieder einmal musste Ich feststellen, dass ich wesentlich anders ticke als die meisten. Für mich war und ist die Musik, die ich mache und höre zum Bewegen, genauer Tanzen, gedacht. Breaks und Steigerungen sollen für die nötige Erholung und den Aufbau von Spannung genutzt werden. Wenn in einem Set (s. Wippenberg) mehr Passagen vorhanden sind in denen das Publikum bloß „huuuuh“ schreit und die Arme nach oben reißt, anstatt dass tanzbare Beats zu hören sind, dann läuft definitiv irgendetwas falsch. Und wenn der DJ alles richtig macht (s. Paul van Dyk), dann ist das Publikum anscheinend zu doof der Tanzaufforderung zu folgen und muss stattdessen stocksteif sein Handy in die Luft halten. Auch wenn es viele nicht nachvollziehen können, die besten Partys in der letzten Zeit hatte ich mitten im Wald bei unseren legendären „Mitten im Wald Mini-Raves“.

Ich freue mich schon auf die Produktion der Tech-House Compilation Vol. 3. Ich habe beschlossen noch weniger Breaks und noch mehr pure Tanzbarkeit zu produzieren! Irgendwer muss ja etwas gegen diesen fürchterlichen Trend unternehmen. ;)

P.S.: Mir tun im übrigen die Menschen Leid, die ohne Gehörschutz den Club betreten haben. Es würde mich nicht wundern, wenn bei der vorhandenen Lautstärke bleibende Schäden zu erwarten sind. Manchmal wäre weniger einfach mehr!

And many others write about too many pro-essay-writer.com things unrelated to parenting

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.