Kanye West – My Beautiful Dark Twisted Fantasy (Album Review)

Gespannt war ich auf das neue Kanye West Album: My Beautiful Dark Twisted Fantasy. Lange Zeit war ich mir nicht sicher was ich von Kanye West halten soll. Manches fand ich innovativ und gut. Andere Stücke hingegen überladen und chaotisch. Zunächst gehe ich rein musikalisch auf das neue Album ein.

Was mir wieder sehr gut an dem neuen Album gefällt, ist die Arbeit mit Samples und die Instrumentalisierung. Im Gegensatz zur Konkurrenz wurde auf den Einsatz von zu stark elektronisch klingenden Drumsounds verzichtet. Die für die Beats benutzten Kicks, Snares, Hi-hats haben einen rauen, dreckigen „echt“ klingenden Sound. Meiner Meinung nach sollte Hip Hop und generell die Black Music genau dabei bleiben. Dass aktuell sehr elektronisch klingende Beats im Hip Hop benutzt werden, halte ich für sehr fragwürdig. Hier hat Kanye West mit seinem neuen Album einen anderen, erfreulichen Weg bestritten.


Kommen wir nun zum traurigen Part des Albums. So interessant das Album musikalisch auch ist, es kann nicht darüber hinwegtrösten, dass die hier gebotene Klangqualität einfach nur miserabel ist. Beim Hören des Albums ist mir immer wieder aufgefallen, dass es an einigen Stellen zu starken Verzerrungen kommt. Da Verzerrungen heutzutage häufig ein gewolltes Stilmittel sind, wollte ich keine voreiligen Schlüsse ziehen und habe angefangen das Audiomaterial zu analysieren. Es fiel aber relativ schnell auf, dass die Verzerrungen nicht nur bei einzelnen Instrumenten oder Vocals auftraten, sondern ein permanenter Begleiter waren. Besonders unter dem Kopfhörer sind die kratzenden, unsauberen Verzerrungen sehr deutlich wahrnehmbar.


Auf die rein akustische Analyse folgte dann eine grafische Analyse der Waveform. Das dort gebotene Bild war erschreckend.

Die Amplitudenspitzen wurden einfach abgeschnitten. Das klangliche Ergebnis ist vergleichbar mit einem Lautsprecher der bis an seine mechanische Belastungsgrenze betrieben wird. Der Klang wird kratzig und unangenehm. Schaut man sich das Bild an, kann man sich vorstellen wie die Waveform vor der Misshandlung ausgesehen haben muss. Bzw. jedem sollte klar sein, dass die Waveform nicht einfach auf einmal platt sein kann. Hier gehen zum einen Informationen verloren zum anderen kommen Verzerrungsprodukte hinzu.


Nun stellt sich berechtigterweise die Frage – Wie kann es sein, dass so etwas bewusst und gewollt veröffentlicht wird?

Dass es bewusst und gewollt geschehen ist, davon muss man bei einem Album von Kanye West ausgehen. Wer sein Album in der Karibik produzieren lässt und etliche Stars zum singen einfliegt, der spart nicht am Mixdown und Mastering. Dies wiederrum lässt eben nur den Schluss zu, dass die gehörten Verzerrungen toleriert wurden. Als Nächstes fragt man sich natürlich: Warum sollte man einen kaputten, verzerrten Klang absichtlich haben wollen? Dazu muss man wissen, dass die Lautheit eines Musikstückes den Musiklabels enorm wichtig ist. Es gilt die Regel „was eine höhere Lautheit hat, empfinden die meisten Menschen als besser“. Ich rede hier von der Lautheit, dass heißt die empfundene Lautstärke. Wie man im Bild sehen kann, ist es nicht möglich die Amplitude über ein bestimmtes Maximum zu steigern. Man hat einen vorgegebenen Rahmen, innerhalb dessen können die verschiedenen Frequenzen bestimmte Amplitudenzustände einnehmen (in der Regel 216 Zustände, da 16 Bit amplitudenquantisiert). Erhöht man die Amplituden über das Maximum hinaus, wird alles was darüber liegt einfach abgeschnitten. Das Ergebnis klingt aber dennoch lauter, auch wenn die Amplitudenspitzenwerte nicht höher sind. Man könnte sagen, die Klangdichte nimmt zu und damit auch die empfundene Lautstärke.

Seit Jahren erreicht man neue Grenzen der Lautheit. Das bedeutet es wird versucht einen Großteil der Waveform weiter an die Begrenzung des Rahmens zu drücken. Man kann dies z.B. durch den Einsatz von Compressoren, Limitern usw. erreichen. Dies geht allerdings ab einem bestimmten Grad auf Kosten des Klangs. Umso lauter ich werde desto mehr Abstriche muss ich in der Klangqualität hinnehmen. Bis jetzt hatte man sich irgendwie immer darauf verlassen können, dass wenigstens deutlich hörbare Verzerrungen nicht vorkamen. Das heißt, man wollte einen Track so laut wie möglich machen, OHNE dabei Verzerrungen reinzubekommen. Kanye West, sein Mixdown Engineer (falls er das nicht selbst macht) und sein Mastering Engineer haben hierbei wissentlich diese Grenze überschritten und erhebliche Verzerrungen toleriert. Das Ergebnis ist ein Klang, welcher mit dem Sound eines hoffnungslos überdrehten Küchenradios vergleichbar ist.


Das interessante daran: Das neue Kanye West Album ist nicht mal das „lauteste“ was man erreichen kann. Es ist zwar schon übertrieben laut gemischt und gemastert, aber die auftretenden Verzerrungen lassen sich dadurch nicht erklären. Mit geschickt eingestellten Limitern und Compressoren bekommt man die Lautheit des Kanye West Albums auch OHNE derartige Verzerrungen hin. Auch wenn folgende Überlegung nur sehr sehr schwer zu akzeptieren ist. Man muss davon ausgehen, dass selbst in so einem millionenschweren Unternehmen wie es ein neues Kanye West Album ist Menschen arbeiten die keine Ahnung haben von dem was sie machen. Laut Wikipedia scheinen somit  „Manny Marroquin – mixing“ und „Vlado Meller – mastering“ überbezahlte Klangvergewaltiger zu sein.


Schade, dass viele Menschen den fortlaufenden Rückschritt der Klangqualität nicht bemerken.

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